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Design Thinking für nutzerzentrierte Lösungen

Das neue Produkt schien perfekt: Modernes, zurückhaltendes Design und die Technik der Zeit einen Schritt voraus. Doch als die kranken Kinder das MRT-Gerät sahen, reagierten sie verängstigt, fingen an zu weinen und die lebenswichtige Untersuchung musste abgebrochen werden. Nur wenn die Kinder vorher mit starkem Beruhigungsmitteln still gestellt worden waren, war sie überhaupt möglich. Für den Designer war das ein Desaster. Und gleichzeitig der Durchbruch von Design Thinking.

Beim Design Thinking steht nicht die Ästhetik eines Produkts, einer Website oder App im Mittelpunkt, sondern der Mensch, der Nutzer. Es geht um seine Bedürfnisse, seine Ängste, seine Begeisterung. Schliesslich soll das Produkt von ihm genutzt werden. Im Design Thinking-Prozess wird deshalb genau ermittelt, wer sind meine Nutzer, was wollen und brauchen sie wirklich, was schreckt sie ab? Durch Interviews und Beobachtung wird der Nutzer frühzeitig in den Entwicklungsprozess involviert und kann so wertvolle neue, oft überraschende Erkenntnisse für das neue Produkt geben.

Auch wir nutzen Design Thinking in unserer Agentur, um Webseiten und Apps nutzernah zu kreieren, aber auch um eigene Arbeitsprozesse agiler zu gestalten. Nichts ist hinderlicher für eine erfolgreiche Zusammenarbeit, wenn auf unterschiedlichen Ebenen kommuniziert wird, die Zielausrichtung nicht eindeutig ist oder in verschiedenen Kategorien gedacht wird. Das Vertrauen und die Verständigung über Ergebnisse muss einfach stimmen.

Im Wesentlichen besteht Design Thinking aus sechs einzelnen Schritten:

1. Verstehen: Was ist das Problem der Zielgruppe? Wie lösen die Nutzer das vermeintliche Problem heute? Welche Werkzeuge setzen sie dazu ein? Was sind die Herausforderungen?

2. Beobachten: Sind die im ersten Schritt getroffenen Annahmen überhaupt korrekt? Haben die Nutzer das angenommene Problem oder gibt es vielleicht noch ganz andere? Durch genaue Beobachtung der Nutzer in ihrem natürlichen Umfeld werden wichtige Einsichten gewonnen. Dieser Schritt ist essentiell, denn man setzt sich direkt mit der Zielgruppe auseinander. Man interviewt die Nutzer, fragt, wie sie eine Aufgabe zum Thema heute lösen. Man führt einen Dialog. Man hört zu. Idealerweise lässt man sich vom Nutzer zeigen, wie er bisher vorgegangen ist, um eine Aufgabe zu lösen. Man schreibt alles mit, macht Fotos oder filmt den Anwender; natürlich nur mit seinem Einverständnis. In jedem Fall sollte man Laborbedingungen vermeiden. Anwender neigen unter solchen Bedingungen dazu, nicht offen zu sein und verfälschen so wertvolle Einsichten. In diesem Schritt geht darum, eine wirkliche Vorstellung über die Zielgruppe zu bekommen. Es empfiehlt sich auch, mit „extremen“ Personen aus der Zielgruppe zu sprechen und sie zu beobachten. Extrem kann hier in zwei Richtungen gehen: auf der einen Seite zum Beispiel absolute Power-User und auf der anderen Seite der eher Unbedarfte. Beide bringen wertvolle Impulse und helfen bei der späteren Ideenfindung.

3. Sichtweise definieren: Die gesammelten Beobachtungen und Einsichten werden verdichtet, um eine 360-Grad-Ansicht der Zielgruppe zu bekommen. Man entwickelt sogenannte Einsichten (Insights).

4. Ideen finden: Sind die Sichtweisen definiert, versucht man unter Zurhilfenahme verschiedenster Kreativtechniken Ideen zu finden. Hier sollte man darauf achten, möglichst mit einem interdisziplinären Team zu arbeiten. Auch außenstehende Personen sind sehr hilfreich, da sie oft neue Ideen mit einbringen.

5. Protoytping: Ein wichtiger Aspekt ist das Erstellen von Prototypen. Ein Prototyp ist die Visualisierung einer Idee, um sie innerhalb der Zielgruppe zu testen. Dabei kann es sich um eine Skizze, Wireframes oder Storyboards handeln. Absicht ist: Der Nutzer sollte rechtzeitig ein Gefühl davon bekommen, wie die Idee oder das Produkt später funktionieren und aussehen könnte. Tatsächlich ist es so, je weniger perfekt der Prototyp ist, umso mehr Anregungen für Verbesserungen kommen von den Testern.

6. Testen: Die Prototypen werden direkt mit der Zielgruppe getestet, und so schnell sie erstellt worden sind, so schnell werden sie auch wieder verworfen, wenn eine Idee beim Nutzer durchfällt. Es wird so lange getestet und es werden so lange neue Prototypen erstellt, bis die Kunden von einer Idee überzeugt sind. Es geht nicht darum, 100 Prozent der Nutzer zu überzeugen – es wird immer Nutzer geben, die eine Idee nicht annehmen. Wichtig ist vielmehr, dass das Gros der Nutzer eine Idee versteht und von ihr überzeugt ist.

Wer übrigens wissen will, wie der Designer des MRT-Scanners es schliesslich doch geschafft hat, ein Gerät zu kreieren, vor dem die Kinder keine Angst mehr haben, sollte sich sein Tedx Talk ansehen: Transforming healthcare for children and their families: Doug Dietz at TEDxSanJoseCA 2012

 

Unsere Buchempfehlung mit Fokus auf Prototyping: SPRINT

Prototyping in einem 5 Tages-Sprint

In einer Woche testen, ob eine Idee funktioniert? Endlich spricht uns ein Buch aus der Seele und löst langwierige Diskussionen ab mit Hilfe von Prototyping. So wie es Erfinder früher auch gemacht haben – einfach mal bauen. Eine bewährte und gar nicht so neue Vorgehensweise in der digitalen Branche. Alles eine Frage von Fokus und Organisation.

In dem Buch „SPRINT – Wie man in nur fünf Tagen neue Ideen testet und Probleme löst“ stellt Jake Knapp (mit John Zeratsky und Braden Kowitz) von Google Ventures eine Methode vor, mit der bei Google Ideen getestet werden – am Ende steht das Prototyping. Das Buch ist sehr angenehm, sehr klar, eindeutig und kurzweilig geschrieben. Und auch die Methode ist so gut nachvollziehbar, dass wir sie intern zu einem Workshop und teilweise in Hackathons nutzen. Manchmal sind wir ganz krass und schaffen es innerhalb eines Workshops die im Buch beschriebenen Phasen durchzugehen. Dann sind die Ergebnisse nicht so konkret, aber es zeichnet sich ein grober Pfad ab, den man mit seinem Digitalen Produkt begehen kann. Uns kommt das Buch gelegen, weil es einfach raus aus der Theorie, rein ins Machen geht. Und wer macht, der bekommt natürlich Ergebnisse, die anschaubar, anfühlbar sind.

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Webdesigner sind Hybrid Thinker

Webdesigner sind Hybrid Thinker

Webdesigner als Chefs – ocha!

Wussten Sie, dass bei Apple Designer in der Chefetage sitzen und strategische Entscheidungen im Unternehmen beeinflussen? Und wussten Sie auch, dass bei Apple ein Produkt zuerst von Designern konzipiert wird und dann erst die Techniker überlegen müssen, wie es funktionieren kann?
Wie kann es sein, dass scheinbar Aussehen vor der Technik kommt? Wäre man da nicht gefangen in schrecklichen Begrenzungen? Nein, auch Webdesigner sind Menschen – und zwar mit ziemlich viel Brain. Warum? Fangen wir von vorn an…

Was heißt denn „Design“?

Ich meine, es gibt einen großen Irrtum im Verständnis des Wortes „Design“. Auch Webdesign fällt darunter. „Designen“ heißt nicht „schön machen“. Das Lateinische designare wird als bezeichnen, bestimmen, auch anordnen ins Deutsche übertragen und ursprünglich meinte es, jemanden zu einem Amt zu bestimmen.

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Digitalisierung oder doch eher Re-Digitalisierung?

Ja, es ist ein Buzz-Word. Aber ein wichtiges. Wir wachsen, die Digitalisierung wächst. Die Welt wird weiter vernetzt, digitale Services und Produkte nehmen immer mehr Raum ein und doch bleibt vielen Menschen (und Unternehmern) rätselhaft, was es mit der Digitalisierung auf sich hat und wie Apps, Webseiten und Web-Anwendungen zu einem Unternehmen beitragen können. Hier sind wir die richtigen Ansprechpartner, die Ihnen Beratung und Konzeption für die Erweiterung Ihres Geschäftsmodells anbieten.

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Kostenlose Icons: 7 Sets, die man auch kommerziell nutzen kann

Niemand mag lange Textwüsten. Ein Nutzer muss heute sehr schnell erfassen, wo die Informationen zu finden sind, die er sucht. Icons sind hier sehr hilfreich, um User schnell auf bestimmte Bereiche einer Webseite aufmerksam zu machen. Damit ihr nicht lange suchen müsst, haben wir für euch kostenlose Icons zusammengetragen, die ihr sowohl privat als auch für kommerzielle Projekte wie Kundenaufträge nutzen könnt. Voilà:

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Das sind die UX- und Webdesign Trends 2017

„Design setzt Inhalt voraus. Design ohne Inhalt ist kein Design, sondern Dekoration.“ Dieses Zitat eines Webdesigners hatte 2016 seine Berechtigung (so hat sich z. B. im letzten Jahr das durch Pinterest bekannt gewordene Card-Design vielerorts durchgesetzt, mit dem Informationen einfach und übersichtlich dargestellt werden können) und wird in 2017 noch viel wichtiger. Das sind die UX- und Webdesign Trends 2017 weiterlesen

Einladung: art & agency


art & agency passen für uns ganz hervorragend zusammen. In der Kunst wie im Agenturleben geht es um Kreativität und die Vermittlung von Botschaften.
Wir sind vor einigen Wochen in ein neues Büro gezogen, die alte Wirkungsstätte aber wollen wir gebührend verabschieden. Weil ein leeres Büro viel schöner daherkommt, wenn sich nette Menschen und gute Kunst darin befinden, laden wir Sie herzlich ein

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